Heilfasten nach René Gräber

"Heilfasten nach René Gräber" - Ein Beitrag von René Gräber

René GräberEs ist in gewisser Weise schon "lustig", wenn ein so altes Heilverfahren mit dem eigenen Namen verbunden wird. Es ist aber auch eine Ehre.

Ich verdanke dem Heilfasten einen großen Teil meiner Gesundheit. Einen Teil dieser Geschichte beschreibe ich ja kurz in der Beschreibung zu meiner Heilfasten Anleitung.

Und bevor ich es vergesse: Falls Sie über eine Suchmaschine gekommen sind, weil Sie meine Heilfasten Anleitung (nach René Gräber) suchen, so finden Sie diese ebenfalls hier: http://www.gesund-heilfasten.de/heilfasten_anleitung.html

Vielleicht möchten Sie aber einfach nur wissen was es mit dem Heilfasten "auf sich hat" und was das besondere daran ist. Nun, dazu muss ich etwas ausholen, denn unter dem Begriff des Heilfasten werden sehr viele Dinge "verstanden" die damit nichts zu tun haben - und andere Dinge weg gelassen, die damit etwas zu tun haben.

Ich versuche im Folgenden einmal einen Überblick zu geben:

Der Begriff des Heilfastens

Während der Begriff des Fastens eine übergeordnete Bezeichnung für eine Reihe von verschiedenen Fastenformen darstellt, ist das Heilfasten eine spezielle Form des Fastens.

Das Wort „Heil“ verrät schon die Intention des Fastens – es soll einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben und bestenfalls von Krankheiten befreien. Aber in der alternativen Medizin bedeutet „heilen“ nicht nur die Beseitigung von Krankheiten (oder wie so häufig in der Schulmedizin zu sehen, eine Behandlung der Symptome), sondern hier hat die Prophylaxe einen besonderen Stellenwert bei der „Heilung“.

Denn „Heilung“ beginnt hier schon, wenn der Patient noch gesund ist oder aber symptomfrei. Damit reiht sich das Heilfasten in die Reihe von alternativmedizinischen Konzepten ein, die für die Behandlung und Prävention von Erkrankungen gleichermaßen gut geeignet sind. Und genau dieser Aspekt wird oftmals von manchen "Experten" bestritten. Schauen wir also zuerst einmal, was beim Fasten so passiert.

Die Physiologie des Heilfastens

Im Gegensatz zu dem allgemeinen Fasten, wo auch religiöse Hintergründe eine Rolle spielen ("österliches Fasten", Ramadan etc.), gilt das Heilfasten eher als eine Heilmethode der Naturheilkunde. Dabei bin ich mir aber gar nicht so sicher, ob die "alten" Religionsbegründer (Jesus, Mohammed u.a.) nicht ganz bewusst auch "Gesundheitsvorschriften" machten. Aber das ist ein anderes Thema.

Bleiben wir erst einmal bei den spezifische Vorgänge, die während des Fastens im Organismus ablaufen - und die sind spannend genug. Denn bei einer drastischen Reduktion der Kalorienzufuhr, die oft gegen Null geht, schaltet der Organismus nach wenigen Tagen auf eine Art „Notprogramm“ um und fährt den Stoffwechsel zurück, um keine Kalorien zu verschwenden. Dieses sich Anpassen an die neue Nährstoffsituation seitens des Organismus macht es bei Abnehm-Diäten oft so schwer, die heiß gehassten Pfunde zu verlieren. Aber Heilfasten hat nichts mit Abnehm-Diäten, Schlankheitskuren und dergleichen zu tun – auch wenn sehr häufig Gewicht verloren geht. Der Gewichtsverlust ist jedoch bestenfalls eine angenehme Begleiterscheinung.

Viel bedeutsamer sind andere physiologische Konsequenzen der Kalorienrestriktion (=Kalorien sparen). Denn während des Heilfastens kommt es auch zu einer Abnahme des Blutdrucks. Mit der Auflösung von Fettreserven aus den Fettdepots kommt es zu einer Mobilisierung der dort „versteckten“ unerwünschten Substanzen, die im Volksmund oft auch als „Schlacken“ bezeichnet. Im Zuge des Fastens spricht man deshalb auch von einer "Entschlackung". Und gerade auch über diesen Begriff machen sich einige "Experten" lustig. Solchen "Experten" empfehle ich (wieder einmal) dringend einen Blick in die entsprechenden Lehrbücher. Mehr dazu habe ich im Beitrag: "Die Bedeutung der Entschlackung für die Gesundheit" beschrieben.

Diese oft toxischen Substanzen können während einer Heilfastenkur den Organismus belasten, da sie „frei verfügbar“ im Blutkreislauf zirkulieren und unter Umständen an anderen Orten deponiert werden, die der Gesundheit besonders abträglich sind. Das sind andere wichtige Organe wie Gehirn, Herz, Haut und so weiter. Daher muss beim Heilfasten „eigentlich“ immer eine begleitende Entgiftungsmaßnahme erfolgen, die Nieren und Leber unterstützen und idealerweise die freigesetzten „Schlacken“ schon vor Ort neutralisieren. Und genau das ist der Gedanke, den ich im "Heilfasten nach René Gräber" umzusetzen versuche.

Entschlackung durch Heilfasten

Häufig wenden Kritiker des Heilfastens ein, dass im besonderen Maße Proteine für die Energiegewinnung während des Fastens angegriffen werden. In der Tat scheinen besonders unbrauchbare Proteine, verzuckerte Proteine, einen nachhaltigen negativen gesundheitlichen Effekt auszuüben.

An erster Stelle stehen hier die sogenannten AGEs – die „advanced glycation endproducts“ oder fortgeschrittene Glykierungs-Endprodukte (siehe auch meine Beiträge Fruchtzucker und Fruktose - alles andere als gesund... und Die Rache der Grill-Hähnchen).

Diese Kombination von Zuckermolekülen und Proteinen, die eine nichtenzymatische Bindung (Glykierung) eingegangen sind, vergrößern das Risiko für Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose. Wenn man bedenkt, dass diese AGEs oft bei Braten und Grillen entstehen und in den verbrannten Teilen des Fleischs zu finden sind, dann drängt sich der Begriff der „Schlacke“ unwillkürlich auf.

Ein entsprechender Vorgang soll auch beim Rauchen erfolgen, diesmal aber im Körper des Rauchers und nicht auf der Grillplatte (Rauchen verzuckert Proteine).

Eine andere Form der Glykierung ist die Verbindung von Hämoglobin und Glukose, die das HbA1c bilden. Dieses physiologisch unbrauchbare Hämoglobin ist für die Diagnostik bei einem länger bestehendem Diabetes interessant, da hohe Werte auf einen langfristig schlecht eingestellten Diabetes hinweisen. Unter physiologisch normalen Bedingungen sind die Werte sehr gering.

Mit Hilfe des Heilfastens ist es möglich, auch diese „Schlacken“ zu reduzieren. Für Diabetes Typ-2 gibt es sehr viele äußerst positive Berichte und Studien, die einen sehr guten Effekt des Heilfastens auf die Erkrankung bescheinigen. Hier sind die Effekte nicht auf einen Faktor begrenzt, sondern umfassen neben einem oft zu beobachtenden Gewichtsverlust auch eine Reduzierung von Insulin bei einem insulinpflichtigen Diabetes Typ-2, Blutdrucksenkung und so weiter. Mehr dazu auch in meinem Beitrag: Heilfasten bei Diabetes Mellitus.

Und damit wären wir bei den:

Indikationen für das Heilfasten

Da mit der Durchführung des Heilfastens ein „Effekt“ auf den gesamten Organismus ausgeübt wird, spricht das Heilfasten eine Reihe von Ursachen für eine Reihe von Erkrankungen an, als da wären:

  • Adipositas
  • Burnout
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • metabolisches Syndrom (allgemein)
  • Hyperurikämie (Gicht)
  • Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte)
  • chronische Hepatopathien (Leberprobleme)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen allgemein
  • arterielle und venöse Durchblutungsstörungen
  • degenerative Gelenkerkrankungen (Arthrose, Arthritis u.a.)
  • diverse Hauterkrankungen wie Akne, Psoriasis und Neurodermitis
  • Asthma
  • Allergien
  • Pollinosis (Heuschnupfen)
  • verschiedene entzündungsbedingte Komplikationen
  • chronische Obstipation (Verstopfung)
  • Morbus Crohn
  • Reizdarmsyndrom
  • Rheuma
  • chronische Schmerzzustände

Kontraindikationen - Wann man nicht fasten sollte

Weil es sich beim Heilfasten um eine therapeutische Maßnahme handelt, deshalb gibt es Indikationen und Kontraindikationen. In der Tat gibt es Zustände, unter denen ein Heilfasten nicht empfehlenswert ist:

  • schwangere und stillende Frauen
  • schwere Herzerkrankungen
  • bei ausgeprägten Blutungsneigungen
  • Tuberkulose
  • bei fortgeschrittener Arteriosklerose
  • Kinder (die haben das meistens auch nicht nötig)
  • bei schweren Überfunktionen der Schilddrüse
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen
  • bei Essstörungen, wie Bulimie, Magersucht etc.
  • bei starkem Untergewicht

Die folgenden Probleme stellen eine Art relative Kontraindikation dar:

  • psychische Erkrankungen und seelische Störungen (es kommt auf die Schwere an)
  • nach durchgestandener "schwerer Krankheit"
  • schwere chronische Krankheiten mit medikamentöser Behandlung
  • Diabetes Typ 1
  • chronische Hepatitis (Leberentzündung)
  • starke Stressempfindlichkeit beziehungsweise „Stress-Opfer“
  • ältere Menschen (über 65)
  • bei einer gleichzeitigen Einnahme von Blutgerinnungshemmern wie Marcumar

Es ist immer schwierig pauschale Empfehlungen abzugeben. Ich werde immer wieder gefragt ob man bei dieser oder jener Krankheit fasten dürfe. In solchen Fällen kann ich (eigentlich) immer nur die gleiche Antwort geben: In der Praxis schaue ich mir die Patienten an und wie ich deren Prognose einschätze. Diese ist im Wesentlichen davon abhängig, wie "regulationsfähig" die Patienten sind.

Meine Patienten und Fastenteilnehmer haben in der Regel aber auch immer meine "Notfallnummern" um besondere "Situationen" zu besprechen. Deswegen empfehle ich gerade "Fasten-Neulingen" (mit dem ein oder anderen gesundheitlichen Problem), sich einer Fastengruppe mit einem versierten Fastenleiter anzuschließen. Zudem ist das Heilfasten in der Gruppe eine zusätzliche Bereicherung der Fastenerfahrung für den Einzelnen. "Schwer" Kranken (mit zahlreichen Medikamenten), rate ich in der Regel zu einem Aufenthalt in einer Fastenklinik.

Das Heilfasten und seine Kritiker

Dieses Kapitel ist eigentlich ein „Bestseller“ und würde ganze Bücherregale füllen. Prinzipiell stehen weite Teile (Gott sei Dank nicht alle) der Schulmedizin und der Ernährungswissenschaft dem Heilfasten negativ gegenüber.

Es werden oft die beliebten „evidenzbasierten“ Beweise für die Wirksamkeit des Heilfastens vermisst, obwohl sie in der wissenschaftlichen Literatur mehr als genug vorhanden sind.

Es werden bei der Kritik des Heilfastens Unterstellungen vorgenommen, um zu "beweisen", dass diese Unterstellungen auf falschen Annahmen beruhen, total evidenzunbasiert sind und somit das Heilfasten nutzlos und sogar gefährlich sei.

Die beliebteste Unterstellung für das Heilfasten ist, dass es angeblich eine Maßnahme zur Gewichtsreduktion sein soll. Solche Schein-Argumente hört und liest man unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): Heilfasten – DGE Info 02/2005 – Beratungspraxis. Dabei hat das Heilfasten nie von sich behauptet, eine Schlankheitskur zu sein. Aber dennoch geht die Kritik unbeirrt über diese unterstellte Argumentationsschiene.

Ein anderer äußerst beliebter Kritikpunkt soll die Gefährlichkeit des Heilfastens belegen. Da während des Fastens auch Proteine zur Energiegewinnung herangezogen werden, kommt es, so die Kritiker, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Abbau und damit Schädigung der Herzmuskulatur. Dieser Gedanke entbehrt nicht einer gewissen Logik. Allerdings handelt es sich hier um eine Hypothese, für die es bislang keine evidenzbasierten Beweise, sprich Studien gibt. Vielmehr scheint die Praxis eine andere Sprache zu sprechen, was der eingeforderten Evidenzbasiertheit viel näher kommt: Die Buchinger-Klinik in Überlingen hatte innerhalb der letzten 30 Jahre über 50.000 Fastenpatienten, von denen vier an akutem Herzversagen gestorben sind. Bei den vier Todesfällen handelte es sich dabei noch um starke Raucher, die auch während des Klinikaufenthalts nicht auf ihr „Hobby“ verzichten wollten. Die evidenzbornierte Logik der Fasten-Kritiker in Bezug auf fastenbedingte Schädigungen der Herzmuskulatur dagegen ließe andere Zahlen als die Buchinger-Zahlen erwarten (siehe auch: Ist Fasten gefährlich?)

Ablauf des Heilfastens und begleitende Aktivitäten

Heilfasten richtig durchgeführt ist mehr als nur einfacher Verzicht auf etwas Essbares. Im Wesentlichen gliedert sich ein Zyklus in drei Teile. Es beginnt mit den Entlastungstagen, die der körperlichen und geistigen Vorbereitung dienen. Es folgen die Vollfastentage, das eigentliche Heilfasten und danach das Fastenbrechen mit den Aufbautagen. In dieser Phase wird der inzwischen an das Fasten gewöhnte Organismus zurückgeführt zur erneuten Nahrungsaufnahme. Dieser Zeitpunkt ist der kritische Zeitpunkt, wo man die Gelegenheit hat, sich für ein gesundes Ernährungsverhalten zu entscheiden, umzuschalten, falls man sich in der Vergangenheit sich weniger gesund ernährt hatte.

Während des Fastens sind begleitende Aktivitäten „erlaubt“ beziehungsweise sinnvoll. Eine davon ist die Darmreinigung oder Hydro-Colon-Therapie zu Beginn des Fastens. Diese Prozedur hilft dem Darm, sich auf schonende Art und Weise besser und schneller von seinem „Müll“ zu befreien.

Andere Aktivitäten während des Heilfastens sind körperliche Bewegung, die nicht aufgrund der neuen Ernährungssituation vernachlässigt werden sollte – sondern vielleicht nur etwas schonender ausfallen sollte. Eine davon ist das Fastenwandern, eine Kombination von Fasten und Wandern, die eine schonende Beanspruchung des Organismus unter Fastenbedingungen erlaubt.

Fazit

Heilfasten ist eine inzwischen anerkannte alternativmedizinische Heilmethode, die sich für die Behandlung und Prävention von Erkrankungen und zur Gesundheitspflege hervorragend eignet. Wie alles in der Welt hat auch das Heilfasten seine Grenzen und Beschränkungen. Es ist kein Allheilmittel.

Bei Beachtung der Indikationen und Kontraindikation für diese Heilmethode hat man eine sehr effektive und sichere Methode in der Hand. In einem gewissen Rahmen ist es auch möglich, in den eigenen vier Wänden für sich alleine das Heilfasten durchzuführen. Allerdings ist es hier ratsam, dass man zuvor schon einmal eine „richtige“ Heilfastenkur unter fachlicher Anleitung absolviert hat. Gute Literatur dazu kann bis zu einem bestimmten Grad eine Alternative dazu bilden. Bei bestehenden Erkrankungen, auf die eine Heilfastenkur Einfluss haben soll, ist eine fachliche Betreuung nach meiner Meinung ein absolutes Muss.

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